Zwischen Bundesliga, Ironman und Klapprad: Die SSF Bonn zeigen die Vielfalt des Sports
- 26.07.2026
Die Bilder von den Langdistanzen in Roth und Frankfurt sind noch frisch: Auch zahlreiche Athletinnen und Athleten der SSF Bonn haben dort in den vergangenen Wochen eindrucksvoll gezeigt, was auf den ganz langen Strecken möglich ist. Doch Triathlon lebt nicht nur von Ironman und Bestzeiten. Oft sind es gerade die persönlichen Geschichten, die diesen Sport so besonders machen.
Genau dafür stehen auch die SSF Bonn. Unter Trainer Christoph Großkopf trainieren Einsteiger gemeinsam mit ambitionierten Agegroupern und Bundesliga-Athleten. Parallel betreut Großkopf mit seinem Trainerteam vier Mannschaften der SSF Bonn in der 1. und 2. Triathlon-Bundesliga – jeweils bei den Frauen und Männern. Leistungs- und Breitensport fahren hier seit Jahren im selben Windschatten.
Eine dieser Geschichten führte kürzlich ins Saarland – und begann eigentlich schon einige Wochen vorher in Bonn.
„Papa, ich möchte einfach mal aus Spaß einen Triathlon machen.“
Mehr brauchte es nicht. Mit diesem Satz holte die 16-jährige Marlene Balg ihren Vater Berthold nach vier Jahren Triathlon-Pause zurück an die Startlinie.
Beim Sprinttriathlon in Neunkirchen gingen Vater und Tochter schließlich gemeinsam für die SSF Bonn an den Start. Für Marlene, die sich als Leistungsschwimmerin bereits mehrfach für die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften qualifiziert hatte und nur zehn Tage zuvor noch in Berlin gestartet war, bedeutete der Wettkampf eine Premiere. Schwimmen gehörte zu ihrem Alltag – Radfahren und Laufen direkt im Anschluss waren dagegen absolutes Neuland.
Ihr Vater brachte dafür reichlich Triathlon-Erfahrung mit. Der im Saarland gebürtige Bonner hatte bereits 2005 am Ironman Hawaii teilgenommen. Für das gemeinsame Erlebnis mit seiner Tochter spielte das allerdings überhaupt keine Rolle. Viel wichtiger war es, den Wettkampf gemeinsam erleben zu können.
Passend dazu entschied er sich bewusst gegen Carbon, Aerodynamik und elektronische Schaltungen.
Stattdessen rollte er mit einem historischen Mifa-Klapprad aus den 1970er Jahren in die Wechselzone – ein Gang, Rücktrittbremse, 20-Zoll-Räder.
Das Klapprad ist für Balg längst mehr als ein Sportgerät. Gemeinsam mit den „Early-4-Birds“ lebt er die Idee, dass Wettkämpfe nicht nur aus Zeiten und Platzierungen bestehen, sondern vor allem aus Begegnungen und Geschichten.
Zum Check-in erschien er stilecht mit markantem Oberlippenbart, Schlaghose und Plateauschuhen. Spätestens da war klar: Heute ging es nicht nur um Zeiten, sondern auch darum, anderen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Die Frage entlang der Strecke ließ nicht lange auf sich warten: „Warum ein Klapprad?“
Balgs Antwort kam ebenso schnell wie trocken: „Weil man Spaß am Triathlon nicht in Carbon kaufen kann.“
Während rundherum Zeitfahrräder, Aerohelme und Carbon-Laufräder glänzten, entwickelte sich das fast 50 Jahre alte Klapprad schnell zum Publikumsliebling. Zahlreiche Zuschauer zückten ihre Handys, machten Fotos und kamen mit dem Bonner ins Gespräch.
Auch sportlich lief es für beide rund. Marlene verließ das Wasser sogar schneller als der spätere Gesamtsieger – zumindest solange noch geschwommen wurde. Ihr Vater belegte trotz – oder vielleicht gerade wegen – seines außergewöhnlichen Sportgeräts einen Platz unter den besten Fünf seiner Altersklasse.
Viel wichtiger war jedoch etwas anderes: Dank des Organisationsteams konnten Vater und Tochter in derselben Startgruppe starten, sich gegenseitig anfeuern und den gesamten Wettkampf gemeinsam erleben.
„Mit der eigenen Tochter zusammen einen Triathlon zu absolvieren, ist etwas ganz Besonderes“, sagte Balg nach dem Zieleinlauf. „Solche Momente bleiben länger in Erinnerung als jede Platzierung.“
Vielleicht ist genau das die schönste Seite des Triathlons. Zwischen Bundesliga, Ironman und Breitensport entstehen immer wieder Geschichten, bei denen Medaillen und Material in den Hintergrund rücken. Manchmal reichen zwei kleine Räder, ein bisschen Nostalgie – und eine Tochter, die ihren Vater mit einem einzigen Satz aus dem Triathlon-Ruhestand zurück an die Startlinie holt.
Autor: Berthold Balg
























